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Terminmarkt
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
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Der Terminmarkt (englisch forward market, futures market) ist im Finanzwesen ein Teilmarkt, auf dem TermingeschÀfte gehandelt werden. Pendant ist der Spot- oder Kassamarkt.
Contents
âą Allgemeines
âą Arten
âą Marktstruktur
âą Zusammenfassung
âą Risiken
âą Anmerkungen
âą Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Allgemeines
Der Terminmarkt ist ein Teilmarkt des Finanzmarktes. Am ökonomischen Ort des Terminmarkts treffen Angebot und Nachfrage nach TermingeschĂ€ften zusammen.cite-ref-1[1] WĂ€hrend auf dem Kassamarkt DirektgeschĂ€fte getĂ€tigt werden, die spĂ€testens zwei Handelstage nach GeschĂ€ftsabschluss durch zeitgleiche Zahlung und Lieferung zu erfĂŒllen sind, werden auf dem Terminmarkt GeschĂ€fte abgeschlossen, die zwischen einem Monat und maximal zwei Jahren nach GeschĂ€ftsabschluss beidseitig zu erfĂŒllen sind.cite-ref-2[2] Artikel 38 Abs. 2 der Verordnung (EG) Nr. 1287/2006 vom 10. August 2006 zur DurchfĂŒhrung der Richtlinie 2004/39/EG betreffend die Aufzeichnungspflichten fĂŒr Wertpapierfirmen, die Meldung von GeschĂ€ften, die Markttransparenz, die Zulassung von Finanzinstrumenten zum Handel und bestimmte Begriffe im Sinne dieser Richtlinie spricht von einem TermingeschĂ€ft, wenn unabhĂ€ngig von seinen ausdrĂŒcklichen Bedingungen eine Absprache zwischen den Vertragsparteien besteht, der zufolge die Lieferung des Basiswerts ĂŒber zwei Handelstage hinaus verschoben wird. Entscheidend fĂŒr die Zuordnung zum Terminmarkt ist somit die gegenseitige ErfĂŒllung des GeschĂ€fts mit einer ĂŒber zwei Handelstage hinaus verschobenen Frist.
Das seit November 2007 geltende Wertpapierrecht hat Derivate auch um bloĂe âfinanzielle DifferenzgeschĂ€fteâ (§ 2 Abs. 3 Nr. 3 WpHG) erweitert, so dass auch taggleiche GeschĂ€fte (Daytrading) erfasst werden. Deshalb greifen nunmehr auch die Schutzwirkungen fĂŒr FinanztermingeschĂ€fte aus § 99 WpHG, und es gelten die gleichen Schadensregelungen wie bei anderen FinanztermingeschĂ€ften.
Der Preis fĂŒr das Handelsobjekt heiĂt allgemein Terminkurs, wird bereits im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses festgelegt und gilt unabhĂ€ngig von der wĂ€hrend der Laufzeit des TermingeschĂ€fts eintretenden Kursentwicklung.
Der Kassamarkt ist zudem auf physische ErfĂŒllung, also tatsĂ€chliche Lieferung des Handelsobjekts (etwa Aktien oder Kaffee) ausgerichtet, wĂ€hrend der Terminmarkt nicht zwingend eine physische ErfĂŒllung vorsieht.cite-ref-3[3] Je nach Handelsobjekt gibt es die TeilmĂ€rkte fĂŒr Devisen (DevisentermingeschĂ€fte auf dem Devisenterminmarkt), Edelmetalle, Termingelder (Termingeldhandel), Derivate (OptionsgeschĂ€fte und Futures) oder Commodities (WarentermingeschĂ€fte an der Warenterminbörse, Energiehandel an der Energiebörse).
Arten
Unterschieden werden zwei TerminmÀrkte im Hinblick auf ihren Organisationsgrad:cite-ref-4[4]
⹠Terminbörsen sind ein an Börsen institutionalisierter Terminhandel. Hier werden standardisierte Terminkontrakte gehandelt.
âą AuĂerbörslicher Handel: Hier werden nicht standardisierte TermingeschĂ€fte wie Futures gehandelt, der Handel findet meist zwischen Kreditinstituten (Interbankenhandel) und zwischen Kreditinstituten und GroĂunternehmen statt.
Terminbörsen unterliegen der Börsenaufsicht, welche die Einhaltung des Börsengesetzes und der Börsenordnung ĂŒberwacht.
Marktstruktur
Der Terminmarkt weist folgende Marktstruktur auf:cite-ref-5[5]
Terminmarkt
âââââââââââââââââŽââââââââââââââââ
unbedingte TermingeschÀfte bedingte TermingeschÀfte
KÀufer und VerkÀufer KÀufer hat Wahlrecht,
ĂŒbernehmen Verpflichtung VerkĂ€ufer ĂŒbernimmt Verpflichtung
Swaps Caps
Forward Rate Agreements Floors
Zins-Futures Zinsoptionen
Zuweilen wird zwischen dem vollstÀndigen und unvollstÀndigen Terminmarkt unterschieden,cite-ref-6[6]cite-ref-7[7] wobei der Terminmarkt als vollstÀndiger Markt im Sinne von Kenneth J. Arrow und Gerard Debreu angenommen wird.cite-ref-8[8] WÀhrend auf dem vollstÀndigen Terminmarkt Sicherheit der Marktdaten (Entscheidung unter Sicherheit) und Risikoaversion vorliegt, ist der unvollstÀndige Terminmarkt von Unsicherheiten (Entscheidung unter Unsicherheit) und RisikoaffinitÀt geprÀgt.
Funktionen und Preisbildung
TerminmĂ€rkte gehören zu den ZukunftsmĂ€rkten, welche die Spot- bzw. KassamĂ€rkte ergĂ€nzen. TerminmĂ€rkte bestehen, weil wirtschaftliche Unsicherheiten unvermeidbar sind, kĂŒnftige wirtschaftliche Entwicklungen nicht vollkommen vorhersehbar sind und Marktteilnehmer auch bei gleichem öffentlich zugĂ€nglichen Informationen unterschiedliche Erwartungen entwickeln.cite-ref-9[9] Auf dem Terminmarkt wirken sich Erwartungen der Marktteilnehmer ĂŒber DatenverĂ€nderungen intensiver aus als auf dem Kassamarkt, weil der Zeitraum bis zur ErfĂŒllung der GeschĂ€fte gröĂer ist und damit eine höhere Wahrscheinlichkeit von DatenĂ€nderungen einhergeht.
Die Kurse an den TerminmĂ€rkten bilden sich durch Angebot und Nachfrage. Dies geschieht jedoch nicht losgelöst von der Preisbildung an den KassamĂ€rkten. FĂŒr Handelsobjekte, die reine Finanzprodukte sind, kann theoretisch der faire Terminpreis aus dem Kassakurs hergeleitet werden. FĂŒr lagerfĂ€hige Handelsobjekte mit Gebrauchswert kann zumindest eine obere Grenze fĂŒr den Terminkurs hergeleitet werden.
Die Herleitung des fairen Terminpreises beruht auf dem Vergleich zwischen zwei gleichwertigen Strategien:cite-ref-10[10]
1. Man kauft das Handelsobjekt heute zum Kassakurs und lagert es bis zur FĂ€lligkeit, wobei man den Kaufpreis durch Kreditaufnahme finanziert.
2. Man vereinbart heute einen Terminkauf.
Die erste Strategie bildet den Terminkauf durch KassageschÀfte nach (Replikation).
Keine der beiden Strategien darf gegenĂŒber der anderen finanziell vorteilhaft sein. WĂ€re dies nĂ€mlich der Fall, könnte man durch gleichzeitigen Abschluss eines TermingeschĂ€fts und Replikation der entgegengesetzten Position mit KassageschĂ€ften einen Gewinn erzielen, ohne ein dabei einem Marktpreisrisiko ausgesetzt zu sein. Man sagt auch, dass der Terminpreis nicht mehr arbitragefrei wĂ€re.
Im Folgenden wird fĂŒr verschiedene Konstellationen die Ableitung des fairen Terminpreises dargestellt. Dabei werden die folgenden Formelzeichen verwendet:cite-ref-11[11]
âą t {\displaystyle {t}} die Zeit,
âą t 0 {\displaystyle {t0}} den heutigen Zeitpunkt,
âą T {\displaystyle {T}} den AusĂŒbungszeitpunkt (FĂ€lligkeit des TermingeschĂ€fts),
âą S t {\displaystyle {S_{t}}} den Kurs des Basiswertes zu Zeitpunkt t, insbesondere
âą S 0 {\displaystyle {S_{0}}} den Kurs des Basiswertes jetzt (Kassakurs),
âą S T {\displaystyle {S_{T}}} den Kurs des Basiswertes bei FĂ€lligkeit,
âą F {\displaystyle {F}} den fairen Terminpreis,
âą K {\displaystyle {K}} den im Vertrag vereinbarten AusĂŒbungspreis,
âą z t {\displaystyle {z_{t}}} den Zinssatz fĂŒr die Laufzeit bis zum Zeitpunkt t.
In den Formeln wird von einer exponentiellen Verzinsung ausgegangen (siehe Zinsrechnung). Bei linearer oder stetiger Verzinsung haben die Auf- und Abzinsfaktoren eine andere Form.
TermingeschÀft auf Finanzwerte ohne ErtrÀge
Der einfachste Fall ist ein TermingeschĂ€ft auf ein Handelsobjekt, das keine KapitalertrĂ€ge auszahlt (z. B. eine dividendenfreie Aktie). Kauft man gemÀà Replikationsstrategie den Basiswert heute, muss der Kaufpreis ĂŒber einen Kredit finanziert werden.
Wird beispielsweise eine Aktie auf Termin 1 Jahr gekauft und der aktuelle Kurs der Aktie sei 40 EUR, der Kreditzins fĂŒr 1 Jahr betrage 2 %. FĂŒr die DurchfĂŒhrung der Replikationsstrategie mĂŒsste der Kaufpreis fĂŒr 1 Jahr finanziert werden. Die Zinslast hierfĂŒr sind 0,80 EUR (2 % auf 40 EUR fĂŒr 1 Jahr). Nach dem Jahr mĂŒssen insgesamt 40,80 EUR Zins- und Tilgung geleistet werden. Diese Summe aus Kassakurs und Haltekosten ist der faire Terminpreis.
Es ist erkennbar, dass dieser Preis arbitragefrei ist: FĂŒhrt man das beschriebene ReplikationsgeschĂ€ft durch und tĂ€tigt als GegengeschĂ€ft einen Terminverkauf der Aktie, fallen ĂŒber das Jahr weder Gewinne oder Verluste an:
⹠Der TerminverkÀufer liefert die jetzt gekaufte Aktie bei FÀlligkeit an den TerminkÀufer.
âą DafĂŒr erhĂ€lt er den Terminpreis von 40,80 EUR.
âą Mit diesem Erlös kann er genau den Kredit zurĂŒckfĂŒhren und die Zinsen begleichen.
Als Formel ausgedrĂŒckt ist der faire Terminpreis der ĂŒber die Laufzeit des TermingeschĂ€fts aufgezinste Kassakurs:
F = S t 0 ( 1 + z T ) T â â t 0 {\displaystyle F=S_{t0}{(1+z_{T})^{T-t0}}}
Im Falle positiver Zinsen liegt bei Finanzwerten ohne Ertrag der faire Terminpreis stets ĂŒber den Kassapreis.
TermingeschÀfte auf Finanzwerte mit stetigem Ertrag
Finanzwerte mit stetigem Kapitalertrag sind z. B. Festzinsanleihen und Devisen.
Die ErtrĂ€ge aus dem Handelsobjekt reduzieren die Haltekosten und verringern den Terminkurs. Entsprechend muss das Beispiel aus dem vorangegangenen Abschnitt modifiziert werden: 100 US-Dollar werden auf Termin 1 Jahr gekauft. Der aktuelle Wechselkurs sei 0,8000 Euro pro US-Dollar, ausgedrĂŒckt als Preisnotierung (siehe Wechselkurs; ĂŒblich ist fĂŒr US-Dollar die Mengennotierung, die Preisnotierung wurde hier aus GrĂŒnden der Nachvollziehbarkeit gewĂ€hlt). Der Euro-Zins fĂŒr 1 Jahr sei wiederum 2 %.
Da US-Dollar verzinslich auf einem FremdwĂ€hrungskonto angelegt werden können, muss fĂŒr die DurchfĂŒhrung der Replikationsstrategie eine Menge US-Dollar gekauft werden, die einschlieĂlich Zinsen in einem Jahr die Summe von 100 US-Dollar ergibt. Der Zinssatz fĂŒr US-Dollar betrage 1,4 %. Kauft man heute 98,62 USD und legt diese fĂŒr 1 Jahr zu 1,4 % an, erhĂ€lt man in einem Jahr 1,38 US-Dollar Habenzinsen und verfĂŒgt so ĂŒber die benötigten 100 US-Dollar (Rundungsdifferenzen wurden vernachlĂ€ssigt).
FĂŒr den Kauf der 98,62 US-Dollar sind bei dem genannten Wechselkurs 78,90 EUR aufzuwenden. Die Finanzierungskosten fĂŒr 1 Jahr betragen 1,58 EUR (2 % auf 78,90 EUR fĂŒr 1 Jahr). Um in einem Jahr ĂŒber 100 US-Dollar zu verfĂŒgen, mĂŒssen also in einem Jahr 80,48 EUR (78,90 EUR + 1,58 EUR) bezahlt werden. Entsprechend ist der faire Terminkurs 0,8048 Euro pro US-Dollar.
Die Tatsache, dass der Basiswert ErtrÀge abwirft, verringert bei Devisen die Haltekosten, da im ReplikationsgeschÀft ein geringerer Betrag finanziert werden muss.
Dieser Zusammenhang kann rechnerisch mit der Formel:
F = S t 0 ( 1 + z T ) T â â t 0 ( 1 + r T ) T â â t 0 {\displaystyle F=S_{t0}{\frac {(1+z_{T})^{T-t0}}{(1+r_{T})^{T-t0}}}}
ausgedrĂŒckt werden, wobei r t {\displaystyle {r_{t}}} den Zinssatz fĂŒr die FremdwĂ€hrung und S t 0 {\displaystyle {S_{t0}}} den Kassakurs fĂŒr die FremdwĂ€hrung bezeichnet.
TermingeschÀft auf Aktien mit Dividendenzahlung
Der faire Terminpreis fĂŒr Aktien, die wĂ€hrend der Laufzeit des TermingeschĂ€fts eine Dividende erbringen, lĂ€sst sich analog zum fairen Terminpreis eines Finanzinstrumentes mit stetigem Ertrag ermitteln. Die Dividende ist ein Ertrag, der die Kosten fĂŒr das Halten des Basiswertes verringert. Der faire Terminpreis ist
F = ( S t 0 â â I ) ( 1 + z T ) T â â t 0 {\displaystyle F=(S_{t0}-I){(1+z_{T})^{T-t0}}} ,
wobei I {\displaystyle I} der Barwert der Dividendenzahlung ist.
TermingeschĂ€fte auf reale GĂŒter
Von den bisher aufgefĂŒhrten Beispielen können sich TermingeschĂ€fte auf Commodities dadurch unterscheiden, das es bei diesen von Vorteil sein kann, hierĂŒber tatsĂ€chlich zu verfĂŒgen. Ob und wieweit dies der Fall ist, hĂ€ngt von der Art des Gutes ab. Gold und Silber haben zwar gewisse industrielle Anwendungen, werden aber hauptsĂ€chlich von Anlegern wie Finanzprodukte gehalten (AnlagemĂŒnzen). Der faire Terminpreis errechnet sich analog dem fĂŒr Aktien mit Dividendenzahlung. Dabei werden die Lagerkosten wie eine negative Dividende behandelt:
F = ( S t 0 + U ) ( 1 + z T ) T â â t 0 {\displaystyle F=(S_{t0}+U){(1+z_{T})^{T-t0}}} .
Hierin ist U {\displaystyle U} der Barwert der Lagerkosten. Alternativ können die Lagerkosten als relative jĂ€hrliche Lagerkosten ausgedrĂŒckt werden. Dann ist die Formel fĂŒr Finanzinstrumente mit stetigem Ertrag anwendbar, wobei in der Formel die Lagerkosten als negative ErtrĂ€ge angesetzt werden.
Bei GĂŒtern wie Erdöl, Bauholz oder Agrarprodukten kann der Gebrauchswert nicht vernachlĂ€ssigt werden. Deshalb sind die bisher gebrauchten Arbitrageargumente nur beschrĂ€nkt gĂŒltig; im Ergebnis liefert die bisherige Herleitung des fairen Terminpreises eine Obergrenze.
Ist der am Markt gehandelte Terminpreis M {\displaystyle M} gröĂer als F {\displaystyle F}
M > F = ( S t 0 + U ) ( 1 + z T ) T â â t 0 {\displaystyle M>F=(S_{t0}+U){(1+z_{T})^{T-t0}}} ,
gilt auch hier, dass der Arbitrageur sich den Geldbetrag S t 0 + U {\displaystyle S_{t0}+U} leihen, dafĂŒr das Gut kaufen und lagern kann. Verkauft er gleichzeitig das Gut am Terminmarkt zum Terminkurs M {\displaystyle M} , macht er bei FĂ€lligkeit des TermingeschĂ€ftes einen sicheren Gewinn. Die AusfĂŒhrung dieser Arbitragestrategie erhöht die Nachfrage nach dem Gut auf dem Kassamarkt und das Angebot auf dem Terminmarkt, wodurch der Kassakurs S t 0 {\displaystyle S_{t0}} (und damit F {\displaystyle F} ) so lange steigt und der Terminkurs M {\displaystyle M} so lange sinkt, bis wieder M = F {\displaystyle M=F} gilt.
Andererseits ist es durchaus möglich, dass der am Terminmarkt gehandelte Terminkurs M {\displaystyle M} kleiner als F {\displaystyle F} wird. Um diese Kursdifferenz zu nutzen, mĂŒsste der Arbitrageur sich das Gut leihen (analog zur Wertpapierleihe) und leer verkaufen. Marktteilnehmer, die ĂŒber LagerbestĂ€nde in dem Gut verfĂŒgen, halten diese jedoch, um sie zu verbrauchen, weshalb ein Leerverkauf im Allgemeinen nicht möglich und die Arbitragestrategie nicht umsetzbar ist.cite-ref-12[A 1] Im Ergebnis existiert fĂŒr den Terminkurs eines Gutes mit Gebrauchswert die Obergrenze
F ††( S t 0 + U ) ( 1 + z T ) T â â t 0 {\displaystyle F\leq (S_{t0}+U){(1+z_{T})^{T-t0}}} .
VerfĂŒgbarkeitsprĂ€mie
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Hauptartikel
:
VerfĂŒgbarkeitsprĂ€mie
Die Differenz in der vorgenannten Ungleichung kann durch die so genannte VerfĂŒgbarkeitsprĂ€mie (englisch conveniance yield) ausgedrĂŒckt werden:
F ( 1 + y ) T â â t 0 = ( S t 0 + U ) ( 1 + z T ) T â â t 0 {\displaystyle F{(1+y)^{T-t0}}=(S_{t0}+U){(1+z_{T})^{T-t0}}} .
Die wie ein Zinssatz ausgedrĂŒckte VerfĂŒgbarkeitsprĂ€mie y {\displaystyle y} ist zunĂ€chst ein MaĂ fĂŒr die Differenz der beiden Seiten der Ungleichung. Sie kann als MaĂ interpretiert werden, wie stark der Terminmarkt das tatsĂ€chliche Halten des Gutes gegenĂŒber einer Partizipation am Terminmarkt prĂ€feriert. Damit kann sie auch als Markterwartung ĂŒber zukĂŒnftige LieferengpĂ€sse angesehen werden.
Zusammenfassung
Allgemein gilt als Ergebnis, dass der faire Terminpreis der Kassakurs ist, vermehrt um die Kosten fĂŒr das Halten des Basiswertes (Refinanzierungskosten, etwaige Lagerkosten), verringert um ErtrĂ€ge, die der Basiswert abwirft (z. B. ZinsertrĂ€ge). Dieser Saldo wird auch als englisch cost of carry bezeichnet.
DrĂŒckt man die Auf- und Abzinsungsfaktoren mit Hilfe der stetigen Verzinsung aus, kann der faire Terminpreis fĂŒr alle finanziellen Basiswerte einheitlich angegeben werden:
F = S t 0 â â e ( z T â â r T ) ( T â â t 0 ) {\displaystyle {F=S_{t0}-e^{(z_{T}-r_{T})(T-t0)}}} .
Der Formel lassen sich die folgenden ZusammenhÀnge entnehmen:
âą Der faire Terminpreis steigt mit Ansteigen des Kassakurses des Basiswertes.
âą Der faire Terminpreis liegt ĂŒber dem Kassakurs, wenn die Haltekosten ĂŒber den HalteertrĂ€gen liegt (also wenn ( z T â â r T ) > 0 {\displaystyle (z_{T}-r_{T})>0} ), sonst darunter.
âą Der Terminpreis steigt, wenn die Differenz ( z T â â r T ) {\displaystyle (z_{T}-r_{T})} gröĂer wird.
âą Bei lĂ€ngerer Terminlaufzeit ( T â â t 0 ) {\displaystyle (T-t0)}
âą steigt der faire Terminpreis, wenn die Differenz ( z T â â r T ) {\displaystyle (z_{T}-r_{T})} positiv ist und
âą sinkt der faire Terminpreis, wenn die Differenz ( z T â â r T ) {\displaystyle (z_{T}-r_{T})} negativ ist.
Wirtschaftliche Aspekte
Marktteilnehmer
Auf dem Devisenmarkt treten drei Arten von Marktteilnehmern mit unterschiedlicher RisikoprĂ€ferenz auf: Hedger, Arbitrageure und Spekulanten.cite-ref-13[12] Hedger wollen sich auf dem Terminmarkt gegen ein Kursrisiko (etwa Wechselkursrisiko) absichern, das durch die VolatilitĂ€ten des Kassamarkts signalisiert wird. Arbitrageure wollen risikolose Gewinne aus dem Unterschied zwischen Zinsdifferenz und Swapsatz ausnutzen,cite-ref-14[13] Spekulanten dagegen wollen Gewinnchancen realisieren, indem sie auf erwartete Kursgewinne setzen. Der Terminkurs wird durch das Zusammenspiel von Hedgern, Arbitrageuren und Spekulanten bestimmt, wobei kein Angebots- oder NachfrageĂŒberhang ĂŒbrigbleibt:cite-ref-15[14]
N N H + N N A + N N S = 0 {\displaystyle NNH+NNA+NNS=0} .
Die Nettonachfrage von Hedgern N N H {\displaystyle NNH} , Arbitrageuren N N A {\displaystyle NNA} und Spegulanten N N S {\displaystyle NNS} ergibt 0 {\displaystyle 0} .
Marktstruktur
Am Beispiel des Devisenmarktes mit seinen TeilmĂ€rkten Devisenkassamarkt und Devisenterminmarkt soll die Marktstruktur nĂ€her erlĂ€utert werden. Dass beide MĂ€rkte ĂŒberhaupt voneinander getrennt sind, liegt technisch an den unterschiedlichen GeschĂ€ftsarten DevisenkassageschĂ€ft und DevisentermingeschĂ€ft und an den â im Regelfall â unterschiedlichen Kursen hierfĂŒr, dem Devisenkassakurs K K {\displaystyle KK} und Devisenterminkurs T K {\displaystyle TK} . Aus der Differenz zwischen beiden wird der Devisenswapsatz S {\displaystyle S} errechnet:cite-ref-16[15]
S = T K â â K K K K {\displaystyle S={\frac {TK-KK}{KK}}} .
Bei T K < K K {\displaystyle TK<KK} handelt es sich um einen Deport, bei T K > K K {\displaystyle TK>KK} entsprechend um einen Report. Die Kursunterschiede haben ihre Ursache darin, dass auf dem Terminmarkt mittelfristige Marktentwicklungen und Kurserwartungen eingepreist werden, wĂ€hrend der Kassamarkt von sehr kurzfristigen (minĂŒtlichen) Kursentwicklungen geprĂ€gt ist. Deshalb weist ein Deport auf eine wahrscheinliche Abwertung der FremdwĂ€hrung, ein Report auf eine erwartete Aufwertung hin. Auf- und Abwertungswahrscheinlichkeit wiederum haben ihre Ursache in der Unterschiedlichkeit der Zinsniveaus zwischen Inland und Ausland. Ist das Zinsniveau im Ausland höher, so wird die FremdwĂ€hrung aufwerten oder die InlandswĂ€hrung abwerten mĂŒssen, um eine gedeckte ZinsparitĂ€t (Marktgleichgewicht) herzustellen.
Kointegration
Heftig diskutiert wird die Frage nach einer Kointegrationsbeziehung zwischen Spot- und Terminmarkt, die ein langfristiges Marktgleichgewicht zwischen beiden erfordert, aber kurzfristige Ungleichgewichte zulĂ€sst. Wird eine Kointegrationsbeziehung fĂŒr ein bestimmtes Handelsobjekt angenommen, so ist dies ein Indiz dafĂŒr, dass sich der Kassakurs und der Terminkurs langfristig gemeinsam entwickeln und sich in einem langfristigen Gleichgewicht befinden, von dem kurzfristige Abweichungen möglich sind.cite-ref-17[16]
Den Preiszusammenhang zwischen Termin- und Kassakursen mittels Kointegrationsanalyse untersuchten unter anderem Autoren erstmals 1991 fĂŒr Kaffee, Mais, Baumwolle, Gold, Sojabohnen und Rindfleisch (Commodities).cite-ref-18[17] Interpretiert man die Preisdifferenzen zwischen Spot- und Terminmarkt vereinfacht als Finanzierungskosten, so lassen sich die kontemporĂ€ren Preisbeziehungen wie folgt umschreiben:cite-ref-19[18]
F t = P t + i + t t {\displaystyle F_{t}=P_{t}+i+t_{t}} .
Dabei sind F t {\displaystyle F_{t}} der logarithmierte Terminmarktpreis, P t {\displaystyle P_{t}} der logarithmierte Kassamarktpreis, i {\displaystyle i} die Zinsen und t t {\displaystyle t_{t}} die Restlaufzeit des Kontraktes.
Funktional sind beide TeilmĂ€rkte eng miteinander verflochten. SwapgeschĂ€fte beispielsweise sind vom Swapsatz und damit gleichzeitig vom Kassa- und Terminkurs abhĂ€ngig, woraus sich eine enge Interdependenz der Kursbildung auf diesen beiden MĂ€rkten ergibt.cite-ref-20[19] Hier kommt ein Marktgleichgewicht zustande, wenn einer Kassa-Nachfrage der Arbitrageure ein entsprechendes Kassa-Angebot des AuĂenhandels und der Spekulanten gegenĂŒbersteht und gleichzeitig auf dem Terminmarkt eine Angebotsdeckung erfolgen kann. Ăbersteigt der kĂŒnftig erwartete Kassakurs den fĂŒr diesen Zeitpunkt geltenden Terminkurs, so werden Spekulanten auf dem Terminmarkt sofort FremdwĂ€hrung kaufen, um sie am ErfĂŒllungstag gewinnbringend wieder verkaufen zu können, wodurch der Terminkurs steigt.cite-ref-21[20] Auch der Bundesratcite-ref-22[21] gehen davon aus, dass der Spotmarkt den Terminmarkt (im Energiesektor) wesentlich beeinflusst.
Sonstiges
Die MarktliquiditĂ€t auf dem Terminmarkt ist im Regelfall geringer als auf dem Spotmarkt. Einerseits muss ein Kontrahent auf dem Terminmarkt das Handelsobjekt zum Zeitpunkt des GeschĂ€ftsabschlusses nicht besitzen, sondern erst am ErfĂŒllungstag;cite-ref-23[22] spĂ€testens an diesem wird er es auf dem Spotmarkt kaufen. Andererseits sind wesentlich mehr Marktteilnehmer an einem physischen Erwerb interessiert, der auf dem Kassamarkt verlangt wird.
Im Vergleich zum Spotmarkt reagiert der Terminmarkt mit wesentlich geringeren VolatilitĂ€ten. An den Energiebörsen liegt die VolatilitĂ€t auf dem Spotmarkt zwischen 50 % und 80 %, auf dem Terminmarkt dagegen lediglich zwischen 10 % und 30 %.cite-ref-24[23] Kursbeeinflussende Ereignisse werden sofort vom Spotmarkt verarbeitet, wĂ€hrend der Terminmarkt nur mittel- bis langfristige Marktentwicklungen berĂŒcksichtigt.
Abgesehen vom internationalen Kapitalverkehr kommt es am Devisenterminmarkt in erster Linie zu spekulativen Transaktionen.cite-ref-25[24] Das Netto-Devisenangebot am Terminmarkt aus reiner Spekulation und spekulativer Wechselkurssicherung des internationalen Handels orientiert sich einerseits am Terminkurs und andererseits an den zukĂŒnftigen Erwartungen hinsichtlich des Kassakurses. Stimmen Terminkurs und erwarteter Kassakurs am selben Zeitpunkt ĂŒberein, gibt es keinen Anreiz fĂŒr spekulative TermingeschĂ€fte. Liegt der Terminkurs unterhalb des erwarteten Kassakurses, gibt es Nachfrage nach DevisentermingeschĂ€ften, liegt der Terminkurs oberhalb, gibt es Angebot an DevisentermingeschĂ€ften.cite-ref-26[25]
Risiken
Die besondere GefĂ€hrlichkeit von TermingeschĂ€ften und damit das Finanzrisiko auf dem Terminmarkt besteht nach Meinung des Bundesgerichtshofs (BGH) darin, dass sie â anders als KassageschĂ€fte, bei denen der Anleger sofort Barvermögen oder einen Kredit einsetzen musscite-ref-27[26] â durch den hinausgeschobenen ErfĂŒllungszeitpunkt zur Spekulation auf eine gĂŒnstige, aber ungewisse Entwicklung des Marktpreises in der Zukunft verleiten, welche die Auflösung des Terminengagements ohne Einsatz eigenen Vermögens und ohne Aufnahme eines Kredits durch ein gewinnbringendes GlattstellungsgeschĂ€ft ermöglichen soll.cite-ref-bghz-150-164-169-28-0[27] Typischerweise sind mit BörsentermingeschĂ€ften die Risiken der Hebelwirkungcite-ref-29[28] und des Totalverlustes des angelegten Kapitals sowie die Gefahr, planwidrig zusĂ€tzliche Mittel einsetzen zu mĂŒssen, verbundencite-ref-bghz-150-164-169-28-1[27]. Deshalb ist es Wertpapierdienstleistungsunternehmen nach § 26 Abs. 1 BörsG untersagt, TermingeschĂ€fte mit Personen abzuschlieĂen, die mit der Materie nicht vertraut sind. Das BörsG versteht unter BörsenspekulationsgeschĂ€ften insbesondere An- und VerkaufsgeschĂ€fte mit hinausgeschobener Lieferzeit, auch wenn sie auĂerbörslich abgeschlossen werden (§ 26 Abs. 2 BörsG) und Optionen hierauf, wenn sie auf Gewinnerzielung ausgerichtet sind.
Insbesondere auf den TerminmĂ€rkten agieren Marktteilnehmer, die aus obigen GrĂŒnden an einer effektiven ErfĂŒllung â etwa Lieferung der zu erwerbenden Waren, Wertpapiere oder Devisen â nicht interessiert sind, sondern wĂ€hrend der Laufzeit des Terminkontraktes eine Glattstellung zwecks Gewinnerzielung planen.
Anmerkungen
cite-note-12A 1. â FĂŒr einen Marktteilnehmer mit LagerbestĂ€nden gĂ€be es eine analoge Arbitragestrategie: Er könnte seinen Lagerbestand verkaufen und auf Termin zurĂŒckkaufen. Der Verkaufserlös legt er fĂŒr die Laufzeit verzinslich an, auĂerdem spart er so lange die Lagerkosten. B e i M < F {\displaystyle BeiM<F} ergibt sich ein sicherer Gewinn. Auch dieser Strategie steht der Wunsch, das Gut zu nutzen, entgegen.
Einzelnachweise
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